„JETZT KOMMT DAS WIRTSCHAFTSWUNDER!“

Kabarettchansons der 1950er Jahre im Dialog mit Erich Kubys Bestseller “Rosemarie” (1958)

Die etwas andere 50er Jahre Revue!

Der Frankfurter Musikkabarettist Jo van Nelsen und sein Pianist Bernd Schmidt präsentieren Kabarettchansons der 1950er Jahre im Dialog mit Erich Kubys Bestsellerroman “Rosemarie – Des deutschen Wunders liebstes Kind” von 1958.

Im Mittelpunkt: Die Frankfurter Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt, die am 1.November 1957 ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden worde – und deren Mörder bis heute nicht ermittelt ist. Ein Skandal, der die junge Bundesrepublik erschütterte – und das Thema Sex plötzlich salonfähig machte.

Für den streitfreudigen Journalisten Kuby, der auch am Film “Das Mädchen Rosemarie” (1958) mitarbeitete, war das Sinnbild der 50er Jahre nicht der petticoatschwingende Teenagerstar Connie Froboess, sondern die Edelhure Rosemarie Nitribitt, die in ihrem legendären schwarzen Mercedes SL auf Kundenfang ging. Denn an ihr und ihren Kunden zeigten sich die für Kuby zeittypischen Verfehlungen: Verdrängung einer traumatisierenden Vergangenheit unter den Nazis, Machtgier eines von den Allierten gedemütigten Volkes und Existenzangst, die durch einen schamlosen Kapitalismus betäubt werden sollte. Für die gerade mal 24jährige Rosemarie Nitribitt endete der Genuss dieses explosiven Cocktails tödlich.

Aber nicht nur Erich Kuby widmete sich als Journalist mit spitzer Feder den Ausrutschern und Fehlentwicklungen in Adenauers Vorzeigedemokratie, auch Kabarettautoren wie Günter Neumann (“Die Insulaner”, Berlin), Martin Morlock (“Kom(m)ödchen”, Düsseldorf), Hugo Wiener (“Simpl”, Wien) und Erich Kästner (“Schaubude”, München) nahmen in treffsicheren Reimen und gewitzten Kompositionen das deutsche Wirtschaftswunder unter die Lupe und demontierten es auf den deutschsprachigen Kleinkunstbühnen.

Und nicht zuletzt bescherte der Schlüssellochblick auf den Fall Nitribitt dem erotischen Chanson in Deutschland eine neue Blütezeit, dem Diseusen wie Hanne Wieder und Helen Vita (beide auch Darstellerinnen im Film “Das Mädchen Rosemarie”) ihre Stimmen gaben.

Herausgekommen ist eine spannende, tiefgehende und auch immer wieder aufs Heute verweisende Revue der 50er Jahre: “Ein leichter, gelegentlich schmissiger Abend mit gewichtiger Botschaft: ‘Die Suppe löffeln immer die vielen aus. Den wenigen gehört der Teller’.” (F.A.Z., 28.10.2020)

PREMIERE war am 26.10.2020 im Rahmen des Festivals Frankfurt liest ein Buch im Holzhausenschlösschen, Frankfurt.

Das Programm ist in einer zweiteiligen 90 Minuten Fassung, wie auch in einer 70 Minuten Fassung ohne Pause zu buchen.

Begleitet von seinem Pianisten Bernd Schmidt gelingt es Jo van Nelsen (…) sein Publikum innerlich zu berühren: (…) Ein leichter, gelegentlich schmissiger Abend mit gewichtiger Botschaft: “Die Suppe löffeln immer die vielen aus. Den wenigen gehört der Teller.” (Claudia Schülke: “Ikone des Wirtschaftswunders – Berührende Zeitgeschichte: Jo van Nelsen singt, spielt und liest über das Mädchen Rosemarie”, F.A.Z., 28.10.2020)

Jo van Nelsen – aus zahlreichen umjubelten szenischen “Hesselbach”-Lesungen in Friedberg bestens bekannt – ist am vergangenen Wochenende (noch rechtzeitig vor dem neuen Lockdown) gleich zweimal nach Friedberg geeilt, um in Begleitung seines Pianisten Bernd Schmidt Erich Kubys spannendes über einen herkömmlichen Roman weit hinausgehendes Buch in einer faszinierenden Revue vorzustellen. Singend, tanzend, szenisch lesend bewegt er sein Publikum nach knapp 90 Minuten zu lang anhaltendem Applaus, der mit zwei Zugaben belohnt wird. Was Kuby intendiert hatte: den Mordfall Rosemarie Nitribitt zu einer Art Menetekel der westdeutschen Wirtschaftswunderzeit der 50er und frühen 60er Jahre werden zu lassen, hat Jo van Nelsen – mit viel Spaß an der Freud – szenisch Gestalt werden lassen. (…) Mit untrüglichem Gespür für die besten Passagen in Kubys Werk (das sich passagenweise wie eine soziologische Studie liest), wird die verlogene Rede von einem völligen “Neubeginn” nach 1945 demaskiert. Das – fiktive – Gespräch eines Amerikaners mit dem deutschen Fabrikanten, der seinen braven, fleißigen Arbeitern ein Denkmal setzen will, ist einer von etlichen Höhepunkten des Abends. Es war wieder ein großer Abend kurz vor Toresschluss, mit dem uns Jo van Nelsen und sein pianistischer Begleiter Bernd Schmidt beschenkt haben. (Gerhard Kollmer: “Eine mitreißende Revue”, Wetterauer Zeitung, 04.11.20)

JETZT KOMMT DAS WIRTSCHAFTSWUNDER on Tour – Die nächsten Live-Termine

April 2022

202202apr20:00"Jetzt kommt das Wirtschaftswunder!" - Kabarettchansons der 1950er Jahre im Dialog mit dem Roman "Rosemarie" (Mordfall Rosemarie Nitribitt)Frankfurt