Die VokaLiesen: „Big Girls Don´t Cry“ (Überarbeitung des aktuellen Programms)
Premiere der überarbeiteten Fassung: 06.02.2004, KREML, Zollhaus/Hahnstätten
Sie singen Saxophonsätze, pflegen den Scat-Gesang, imitieren Instrumente, und lieben das spielerische Experiment mit der Stimme; alles dies sind Markenzeichen des a cappella-Quartetts aus dem Rhein-Main-Gebiet. Den Schwerpunkt des Programms bildet der Jazz in seiner stilistischen Vielfalt. In vorwiegend eigenen Arrangements, Eigenkompositionen und originellen Interpretationen von a cappella- Klassikern haben die VokaLiesen ihren ganz unverwechselbaren Stil und Sound entwickelt: Komplex arrangierte Standards und Jazz-Tunes in knackigen, engen Sätzen prägen das Repertoire - ebenso wie moderne Quarten-Klänge, spielerisch verwobene Kollektiv-Improvisationen und harmonisch-flächige Sounds. Ausflüge in andere Musikstile und augenzwinkernde Persiflagen von Filmsongs und Schlagern inclusive...
Premierenkritik der Rhein-Lahn Zeitung/ Ausgabe Diez vom 10.02.04.:
Nett und adrett treten sie auf die Bühne. Sie sind auf den ersten Blick alles andre als eine schrille Erscheinung, die gediegenen schwarzen Hosenanzüge und die ordentlich frisierten Köpfe sind dann aber doch nur Tarnung. Stimmgewaltig präsentierte das Quartett „VokaLiesen“ im KREML Kulturhaus dem Publikum einen rundum unterhaltsamen Abend.
Wozu viel Schnickschnack, wenn es auch einfach und dabei noch viel besser geht? Die „VokaLiesen“ aus dem Rhein-Main-Gebiet beherrschen dieses Motto ziemlich gut. Ihr Rezept: Man nehme also vier Stimmen, bringe diese a-capella schön zum Klingen und garniere das Ganze mit einer Extradosis Unterhaltungstalent – fertig ist der garantierte Publikumshit.
Ein Effekt, den das bestens gelaunte Damenquartett natürlich auch seiner guten und anspruchsvollen Programmmischung verdankt. Jazz hat nun mal von Natur aus unerschöpflich viele Facetten. Und auch ansonsten geizen die VokaLiesen nicht mit Vielfalt: Eigenkompositionen plus eigene Arrangements plus originelle Interpretation von a-capella-Klassikern, da wird jeder einzelne Song im Handumdrehen zielsicher zum musikalischen Kleinod.
Was wohl auch daran liegt, dass die Vier nicht nur gut singen und sich selbst bei komplexen Arrangements gegenseitig zu tragen und beflügeln scheinen. Vielmehr leben die „VokaLiesen“ den Grundsatz, dass zur Bühne immer auch ein gutes Quäntchen Show gehört. „Bloß“ singen kommt für sie deshalb nicht in Frage. Lieber verwandeln sie ihre Songs in eigenständige, kleine Theaterstücke. Da wird zum Schlaflied kurzerhand ein Telefon aus der Tasche gezaubert, an dessen anderem Ende ein imaginäres Baby in den Armen des Sandmännchens döst.
Mexikanisches Chilli con carne gibt´s natürlich nur inklusive Hüftwackeln. Schnulzensentimentalität wie bei „Cry Me A River“ wird mit einer Extraportion Dramatik noch herzzerreißender. Und klar, dass die Damen zum Boa-Potpourri schließlich auch eifrig mit ihren grellbunten Boas herumwirbeln. Kurzum - die VokaLiesen überzeugen auf der Bühne mit Kurzweil und Tempo. Und während sie singend und tanzend auf Stühle steigen oder sich auch mal am Boden wälzen, und gelegentliche Ausflüge in die musikalische Kitschzone wunderbar persiflieren, vergeht die Zeit wie im Flug.
Mit Charme und Können zeigen die „VokaLiesen“, wie viel Spaß es machen kann, den Mainstream hinter sich zu lassen und lieber seine eigenen Pfade zu entdecken. Und die sind bei dem Quartett nicht nur erfrischend, sondern trotz Anspruch auch wunderbar kurzweilig geraten. Da hätte am Ende des Abends sicher manch einer gerne noch mal auf die Wiederholtaste gedrückt.
Stefanie Rüggeberg