„Die schwule Plattenkiste“ – Schwules und Lesbisches in historischen Aufnahmen 1908-1933.

Noch immer glauben viele, dass sich erst mit der „La Cage Aux Folles“-Hymne „I am what I am“ das schwule Selbstbewusstsein auch musikalisch Luft gemacht hätte. Dass dies schon viel früher geschah, beweisst nun eine sehr schöne Zusammenstellung des schwulen Schellackplatten-Sammlers Raoul Konezni mit Aufnahmen der Jahre 1908-1933: „Die schwule Plattenkiste“ vereint so bekannte Namen wie die der lesbischen Künstlerinnen Claire Waldoff und Marlene Dietrich mit den heute fast vergessenen Stars der 20er Jahre Paul O´Montis und Willy Rosen (die beide im KZ ermordet wurden) und vielen anderen, deren Wiederentdeckung sich lohnt. Immer geht es um die „andere Liebe“: Mal als Witzlied über den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (von Otto Reutter), mal als trotziges „Lila Lied“, mal als unfreiwillig komische Schlagereintagsfliege oder auch als mondän-zweideutiges Chanson. Auch das politische Lied, das gerne zur Diffamierung der männerbündlerischen Nazis mit schwulen Klischees arbeitete, kommt hier mit Ernst Buschs Interpretation vom „Marsch ins Dritte Reich“ nicht zu kurz.

Ein fachsinniger Booklet-Kommentar versüsst diese Sammlung, die schon längst überfällig war.

„Die schwule Plattenkiste“ – Schwules und Lesbisches in historischen Aufnahmen 1908-1933.

Edition Berliner Musenkinder/duophon. Best.-Nr. 05 18 3. DM 32,--

© Jo van Nelsen, 2001.  

Erschienen : in GAB Januar 2002, www.gab-magazin.de

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