"Reform mich, Baby! - Eine erotische Politsatire in 3 Akten"
Fotos: Henry Ledic
Titel: "Reform mich, Baby! - Eine erotische Politsatire in 3 Akten"
Autoren: Bernd Krieg, Effi B. Rolfs & Gabriele Meyer
Uraufführung: 02.03.2007
Aufführungsorte: Die Schmiere, Frankfurt am Main, und Gastspiele
Darsteller: Anne Georgio, Gabriele Meyer, Heinz Harth und Georg Keim.
Inhalt:
Eine Zweck-WG aus Hartz-4-Empfängern gerät durch eine Entführung komplett aus den Fugen. Sozialkritisches mischt sich mit Boulevardeskem, Politisches mit Allzuprivatem.
Kritiken:
Die Krankenkasse ist der Klassenfeind
Von Joachim Schreiner
Das neue Stück der Frankfurter „Schmiere“, „Reform mich, Baby!“, sorgt für Turbulenzen.
Der Untertitel könnte nicht trefflicher gewählt sein. Eine „erotische Politsatire in 3 Akten“ verspricht das Stück von Bernd Krieg, Effi Rolfs und Gabriele Meyer, die wie fast alle Akteure in mehreren Rollen auftritt. Regie hat erstmals der Frankfurter Mehrspartenkünstler Jo van Nelsen geführt. Doch ist dessen Handschrift kaum erkennbar. Diese Slapstick-Farce ist „Schmiere“ pur; Zeitgeist-Themen wie allgegenwärtige Sexualisierung unserer Gesellschaft, Sozial-Politikverdrossenheit und 68er-Romantik werden munter vermengt und mit Beigabe von – manchmal zu viel – Klamauk bühnenwirksam inszeniert.Da haben sich vier Personen mangels Moneten in einer WG zusammengetan, die alle über das Alter einer solchen Wohnform hinaus sind. Entsprechend gibt es dauernd und überall Probleme. In der auf Pappmachéwand gemalten Küche hocken sie beieinander, feiern und saufen. Völlig frustriert ist Hauptschullehrer Hartmut Michels, von Heinz Harth als kauziger Revoluzzer und Woodstock-Verklärer verkörpert. Die allgemeine „KO-Krankenkasse“ in Gestalt von Geschäftsführerin Sabine Wildermann (Gabriele Meyer als laszive Freizeit-Sado-Maso-Fetischistin) will ihm weder die ersehnte Kur, noch die nötige neue Brille, schon gar nicht „dritte Zähne ohne Ende“ bewilligen – so kommt der Pädagoge auf die Idee, die Dame kurzerhand als Geisel zu nehmen und den „Klassenfeind“ Kasse zu erpressen. Meyer spielt zudem mit kompromittierendem Dauerlachen Erika Butterweck, unter dem Künstlernamen Denise Telefonsex anbietend. Leonardo Decker im schicken weißen Designeranzug war mal Manager, bezieht nun aber Hartz IV, hangelt sich auf Vernissagen durch, wo er schon mal ’ne Pulle Sekt mitgehen lässt und dann ausgerechnet die vergnügungssüchtige Sabine Wildermann aufgabelt und mit in die WG-Wohnung schleppt. Mimisch und gestisch zeigt sich Georg Keim nicht nur in dieser Rolle meisterlich, auch als sein kleines Alter Ego, mit seiner Tigerente sprechend. Ein bizarr-skurriler Abend.
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