Florian Mildenberger: „... in der Richtung der Homosexualität verdorben. Psychiater, Kriminalpsychologen und Gerichtsmediziner über männliche Homosexualität 1850-1970“;

 

„Ein Hoch der Fußnote!“ So könnte man Florian Mildenbergers 512 Seiten starke Habilitationsschrift überschreiben. Bis zu acht Stück bringt der junge Wissenschaftler auf einer Seite unter – und verhindert so ungetrübten Lesespaß. Und den könnte das Werk – trotz aller Wissenschaftlichkeit – durchaus bringen, handelt es sich doch um ein spannendes und oft auch obskure Blüten treibendes Thema. Was sich Psychiater, Kriminalpsychologen und Gerichtsmediziner dieser Welt den Kopf zermartert und an denselben geschmissen haben, wenn es um das Thema Homosexualität ging – das ist wirklich lesenswert: Da wurden Zusammenhänge von Homosexualität und Onanie, Kokainkonsum und sozialer Abstammung vermutet, und man erfährt, dass so mancher Wissenschaftler gerne mal zur Schere griff, um das Problem mittels Kastration zu lösen – unerlaubt und „nur“ an Irren, selbstverständlich! Perversionen, die in den KZs der Nazis auf die Spitze getrieben wurden.

Mildenbergers Buch ist in seiner Faktenvielfalt enorm, wenn man auch ab und an gerne mehr über einzelne angeführte Fälle erfahren würde. Da heißt es dann, sich durch den 128-seitigen Literaturanhang zu wühlen – so wird auch der Leser zum Forscher.

© Jo van Nelsen

 

Florian Mildenberger: „... in der Richtung der Homosexualität verdorben. Psychiater, Kriminalpsychologen und Gerichtsmediziner über männliche Homosexualität 1850-1970“;

Bibliothek rosa Winkel, Sonderreihe Wissenschaft Bd.1, kartoniert, € 32,--

 

Erschienen in GAB, September 2002