"Kunst"
Fotos: Sabine Haymann
Titel: "Kunst“
Autoren: Yasmina Reza
Premiere: 25.01.2008
Aufführungsort: Komödie im Marquardt, Stuttgart
Darsteller: Volker Conradt, Andreas Klaue, Michael Schanze
Ausstattung: Asim Brkic
Serge, Marc und Yvan kennen sich seit vielen Jahren. Doch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als sich Kunstliebhaber Serge ein Bild kauft - einen hoch dotierten "Antrios", eins sechzig auf eins zwanzig groß und - weiß. Komplett weiß, mit schmalen weißen Streifen. Ein Meisterwerk? Serge ist davon überzeugt, sein Freund Marc nennt das Bild etwas weniger feinfühlig eine "weiße Scheiße".
Ein erbitterter Streit entbrennt, bei dem verschiedene unliebsame Wahrheiten aufs Tapet gebracht werden und bei dem es bald um weit mehr geht als "nur" um die Frage, was eigentlich Kunst ist. Der sanftmütige Yvan, der genug eigene Probleme mit seiner bevorstehenden Hochzeit hat, sieht sich auf einmal in die Rolle des Schiedsrichters gedrängt. Doch als die Streithähne partout keine Ruhe geben wollen, platzt auch ihm schließlich der Kragen, und die langjährige Freundschaft der drei droht in einer Katastrophe zu enden...Die intelligente und boshafte Komödie über drei Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs wird Liebhaber moderner Kunst ebenso begeistern wie deren Kritiker, denn vor allem geht es in dem Stück um eines: um die hohe Kunst der Freundschaft.
Yasmina Reza erhielt für die 1994 uraufgeführte Komödie den renommierten französischen Theaterpreis Prix Molière sowie 1998 den Tony-Award. Sie gilt seitdem als die erfolgreichste und meistgespielte Dramatikerin weltweit.
„Zu den Klängen eines von Edith Piaf gesungenen Chansons schwebt ein Tanzpaar über die Bühne. Fest und sicher führt der Tänzer seine Partnerin und Geliebte: einen echten "Antrios", ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig groß, 80 000 Euro teuer. Vorsichtig kuschelt der Mann dieses vollkommen weiße Gemälde in ein Sofa. Mit vor Andacht verknoteten Gliedmaßen betrachtet er das monochrome Konstrukt dann von einem Sessel aus wie eine göttliche Erscheinung.
Mit dieser ironischen Eingangsszene beginnt Jo van Nelsens Inszenierung von Yasmina Rezas Kultkomödie "Kunst" (…).Mit flotten Bildern beobachtet die Inszenierung den zwischen den drei Maulhelden um diese Frage eskalierenden Streit. In Kurzszenen monologisieren sie ihre Wut aufeinander ins Publikum. Brüllen sich als lächerliche Boxer Fuß an Fuß ihre Verbalattacken ins Gesicht. Oder nutzen Sofa und Sessel als Kampfplätze für ihren Schlagabtausch mit Überlegenheits- und Verliererposen.“
Stuttgarter Nachrichten, 28.01.2008
"Zum Sich-Wegschmeißen Andreas Klaues Stiefmütter- und Gattinnen-Parodie. (...) Passend durchchoreografiert hat Regisseur van Nelsen die stummen Reaktionen Marcs und Serges..."
Bietigheimer Zeitung, 30.01.2008
„Volker Conradts Marc ist ein miesepetriger, eifersüchtiger Nörgler, ein Hysteriker, der sich mit Ignatia-Globuli therapiert, weil er sich durch Freund Serges Snobismus brüskiert fühlt. Er provoziert gerne, etwa wenn er fragt: „Du hast für diese Scheiße 80 000 Euro bezahlt?“ Immer wieder greift er auch Yvan frontal an, der die seltene Kunst der Männertränen beherrscht. Andreas Klaue spielt „den großen Versöhner der Menschheit“ als einen liebenswerten, aber butterweichen Versager, der sich die Karriereleiter hoch schläft, indem er ins Papierwarengeschäft einheiratet. Das mit vibrierender Falsettstimme erzählte Telefonat mit seiner Mutter ist ein Höhepunkt des Abends.“
Esslinger Zeitung, 29.01.2008