Uraufführung
„Ein Koffer in Berlin“
- Die zwei Leben der Marlene Dietrich -
Bühnenstück mit Musik in 12 Szenen und einem Epilog
von Jo van Nelsen
Mit: Sona MacDonald, Pit-Arne Pietz, Oliver Krämer, Martin Niethammer, Till Florian Beyerbach
Inszenierung: Jo van Nelsen
Bühne und Kostüme: Barbara Krott
Eine Auftragsproduktion der Komödie im Marquardt, Stuttgart.
Premiere: 19.05.2006, Komödie im Marquardt, Stuttgart
Letzte Vorstellung: En suite außer montags bis 09.07.2006
Inhalt
Marlene Dietrich, die deutsche Schauspielerin mit amerikanischem Pass, meldet sich 1944 zur Truppenbetreuung. Von Algier über Sizilien bis nach Rom singt sie ihre Lieder für die GIs, immer wieder in unmittelbarer Lebensgefahr. Ihr zur Seite steht Major John MacDowell, der bald mehr ist als nur ihr Vorgesetzter. Doch in den letzten Tagen des Krieges kommt es zu einer Katastrophe für die beiden Liebenden… 15 Jahre später: Marlene Dietrich trifft in Berlin ein zu ihrem ersten Gastspiel im Nachkriegs-Deutschland. Die Hassliebe zwischen dem Star und ihrer alten Heimat schlägt hohe Wellen. Doch da steht plötzlich ein Mann vor Marlene, der ihr merkwürdig bekannt vorkommt…
Dieses erste Theaterstück aus der Feder von Dietrich-Kenner Jo van Nelsen beleuchtet eine bislang nicht allzu beachtete Seite des Weltstars Marlene Dietrich, ihre Zeit in der amerikanischen Armee. Nach eigener Aussage ihre glücklichste Zeit: „Es war vollkommen. Ich war immer auf der Suche nach dem Schönen. Wahrscheinlich ist das mein Fehler. Im Krieg war die Schönheit in den Menschen, aber damit scheint es jetzt vorbei zu sein. Alles ist hässlich. Alle denken nur daran, wie sie die anderen übertrumpfen können und schmieden Pläne, wie sie die Gesetze umgehen können und finden nichts dabei. Vielleicht ist das alles ganz natürlich. Mir gefällt es jedenfalls nicht. Und deshalb gibt es keine Freude mehr. Niemand ist fröhlich. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, Geld zu verdienen und es zusammenzuhalten. Vielleicht ist das auch ganz natürlich. Aber in der Army war alles klar und einfach. Im Krieg hat man sich umeinander gesorgt, jeder hat auf den anderen aufgepasst. Wir waren eine große Familie.“ (zitiert nach Maria Riva: ‚Meine Mutter Marlene’).
Die deutsche Nazi-Propaganda schlachtete den selbstlosen Einsatz der Dietrich in der amerikanischen Truppenbetreuung weidlich und in gewohnt gehässiger Weise aus. Eine Propaganda, die auch nach dem Kriege noch in den Köpfen der Deutschen herumspuckte und zu aberwitzigen Pressekampagnen und Ausschreitungen anlässlich ihres ersten Deutschland-Gastspiels im Jahr 1960 führte. Die engagierte Berlinerin, die so vielen deutschen Emigranten geholfen hatte, wendete sich irritiert und traurig von ihrer Heimat ab: „Zuerst nahm man mir es übel, dass ich nicht nach Deutschland kam. Nun komme ich, da ist es scheinbar auch nicht recht. Was wäre aber geschehen, hätte ich Gastspiele in Europa gegeben, ohne nach Deutschland zu kommen? Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn ich in der Nazizeit mit meiner Familie in Deutschland gewesen wäre. Dann kam der Krieg. Da muss man Stellung nehmen. Mit welchem inneren Kummer ich das tat, das ist meine Sache. Kann sich niemand den Seelenkonflikt vorstellen, in dem man lebt, wenn die eigene Mutter in Berlin stündlich von amerikanischen Bomben bedroht ist und man dennoch hoffen muss, dass nicht die Deutschen diesen Krieg gewinnen? Ahnt das niemand in Deutschland? Glaubt wirklich jemand, blinder Hass gegen Deutschland habe mich angetrieben?“
Ein Stück Biographie eines großen Stars und ein Stück Zeitgeschichte in einem aufregenden Theaterabend voller Musik. „The Boys in the Backroom“, „Lili Marleen“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ – diese unvergessenen Lieder der Dietrich und viele viele mehr werden live zu hören sein, interpretiert von der großartigen Sona MacDonald.
Kurz: Ein Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte!
Mehr Informationen unter http://www.schauspielhaus-komoedie.de
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Bilder der Uraufführung, Komödie im Marquart, Stuttgart, Mai 2006 Fotos: Jürgen Frahm |
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