Ausschnitte:
Sie sind mal satirisch, mal klamaukig,
begleitet von handfester Erotik jederlei Ausrichtung, wobei auch die
Tierwelt des Waldes in Form von Spechten und Rehlein nicht zu kurz
kommt. Nach Pop, Jazz und Musical in den vorigen Programmen kehren van
Nelsen und Larbig zu Schlagern und Chansons zurück, darunter viel
Historisches, aber auch frisch Geschriebenes - wie eine herzallerliebste
Hommage an die Frankfurter Leibspeise "Grie Soß'": Wer hätte gedacht,
daß van Nelsen so herrlich hessisch babbeln kann?
FAZ, 01.06.2005
Dabei erzählte und sang van Nelsen mit
wandlungsfähiger Stimme, mal zackig und markant, mal leise und fistelnd,
aber immer mit Leichtigkeit und Charme. Mit sparsamen Gesten setzte er
die Pointen: Eine hochgezogene Augenbraue, eine wegwerfende Handbewegung
genügten.
Thorsten Larbig zog am Piano alle Register, glänzte mit virtuosem und
einfühlsamem Spiel und machte sich gelegentlich selbstständig. Ein guter
Begleiter muss schließlich auch improvisieren können, selbst wenn er auf
die Farbe Grün beschränkt ist.
Frankfurter Neue Presse, 02.06.2005
Da gibt es schönes, ökologisch
fundiertes Liedgut noch aus der Zeit von Den Grünen. Etwa aus Brokdorf
1979, und wenn der Liedtext von Thorsten Larbig wirklich unverändert
übernommen wurde, wundert man sich schon, wie es damals zum größten
Polizeieinsatz der BRD gegen Atomkraftgegner kommen konnte. Vielleicht,
um ihnen das Singen zu verbieten. Nicht nur dort wurde vom grünen Gras
gesungen, auch Elvis dachte oft an The green, green grass of home.
Und ans Essen.
Van Nelsen vereint beides, und wem es gelingt, sich vor fliegenden
Gurkensalatbröckchen in Acht zu nehmen, erlebt den besten Elvis seit
dessen Ableben. (…)
Grün, die Farbe der Hoffnung, der Natur
und des Broccolis ist nun wirklich in zahllosen guten wie schlechten
künstlerischen Werken behandelt worden. Genug Material für zwei Stunden
ist schnell zusammengestellt, dazu braucht es keine besondere
Findergabe. Ihre Auswahl aber haben Jo van Nelsen und Thorsten Larbig
ganz vorzüglich, überwiegend abseits von Klischees getroffen. Und die
Umsetzung ist in ihrer Sprunghaftigkeit bisweilen genial. Ob nun als
Sänger, Entertainer, Rezitator, Dichter, Schauspieler, Märchenonkel oder
Koch: van Nelsen trifft den richtigen Ton, kann scheinbar mühelos und
sekundenschnell zwischen den Rollen umherwechseln. Thorsten Larbig ist
ihm dabei ein kongenialer Partner, der diese Wechsel mitvollzieht, dabei
an Klavier, Wanderklampfe oder Küchentisch virtuos.
Frankfurter Rundschau, 21.04.2005
Jo van Nelsen, der den Besuchern unter
anderem als Conferencier des Frankfurter "Tiger-Palast" ein Begriff ist,
verfügt über eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. So
tremoliert er die kitschigen Strophen des Marlitt-Poems, wird
doppelbödig in der Kriminalstory, charmant-unverbindlich beim Schlager
und pathetisch beim Balladensingen. Sein Partner Thorsten Larbig, der
den Abend am Klavier begleitet, steht dem in nichts nach. Nach gut
zweieinhalb Stunden applaudierte sich das Publikum die Zugaben vom
"Kleinen grünen Kaktus" und eine Elvis-Presley-Parodie "Green, Green
Gras Of Home" herbei, ehe der Spaß mit einem letzten frivolen Chanson
der legendären Schwabinger Gisela über die moralischen Probleme, die aus
der außergewöhnlichen Verwendung von Salatgurken entstehen können,
seinen Abschluss nahm. Das Publikum des Abends würde nach diesem
Programm sicher auch dann wiederkommen, wenn van Nelsen und Larbig
Abende in Blau, Gelb oder Rot ankündigten.
Kreis-Anzeiger Ortenberg,
03.04.2006
In die bis in den Gesangsstil reichende
Mischung aus Nostalgie und Satire, die Eugenie Marlitts Postkartenkitsch
vom Maßliebchen im Schnee und Ganghofers Förster-Panegyrica in einem
entstaubt und in den Orkus zurückstößt, findet das grün-weiße
Werder-Lied so gut Platz wie Nelsens Prosa von der fingerkupierten
Bratschistin und ihrer mörderischen Erbsensuppe, Slam Poetry „im Fokus
des Krokus“ wie die 40 Gründe, warum Frauen Salatgurken den Männern
vorziehen.
So komisch ist kanonisch, wenn der Kanon weiterwandert.
Frankfurter Neue Presse, 25.09.2006
Ungekürzte Presseartikel:
Zweieinhalb Stunden alles in Grün
Jo van Nelsen und Thorsten Larbig gestalteten im
Fresche Keller einen
Abend für eine Farbe
Von Ralf Dörschner
ORTENBERG. Er scheint nun wirklich vor der Tür zu
stehen, der lang ersehnte Frühling. Was liegt da näher, als der Farbe
dieser Jahreszeit, dem Grün, einen ganzen Abend zu widmen. Diese
Aufgabe übernahmen am Samstagabend die Frankfurter
Kabarettisten Jo van Nelsen und Thorsten Larbig. Sie tauchten die Bühne
des Ortenberger Fresche Keller in viele Facetten, vom zarten Lindgrün
bis zum satten Smaragd, wobei die Lichtregie alle Hände voll zu tun
hatte, um den
Anforderungen der Künstler zu genügen.
Zum lukullischen Auftakt hatte Dorothée Arden ihren
Gästen die berühmte "Grie Soß´", jenes Gericht mit sieben Kräutern, von
dem schon der alte Geheimrat Goethe schwärmte, serviert, und so die
Grundlage für weitere - geistige - Genüsse gelegt. Schräges und
Skurriles versprach Jo van Nelsen, einen "Abend mit Liedern, Texten,
Absurditäten".
Was die beiden an Neuem und Altem, Bekanntem und
Vergessenem rund um den angeblich beruhigenden Farbton gesammelt hatten,
verblüffte. So führte das übertriebene Pathos der "Gartenlaube"-Autorin
Eugenie Marlitt in dem Gedicht "Maßliebchen im Schnee" zu
Heiterkeitsausbrüchen, eine Passage aus Ludwig
Ganghofers Heimatroman "Das Schweigen im Walde" aus dem Jahre 1891, in
der über die Fähigkeit des Waldes, "Krankes auszumerzen" reflektiert
wird, ließ da schon Schauer über den Rücken laufen.
Natürlich kamen die einschlägigen Nonsens-Schlager
der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre zum Zuge - von
"Veronika, der Lenz ist da" bis zum Tonfilm-Schlager "Wir zahlen keine
Miete mehr, wir sind im Grünen zu Haus".
Hübsch das 50er-Jahre-Feuilleton von Eugen Skasa-Weiß
"Münchhausen spielt mit Samentüten", in denen die messianischen
Versprechen der Gemüsenamen witzig beleuchtet wurden. So urteilt der
Autor - schelmisch von van Nelsen vorgetragen - aus eigener Erfahrung
über eine Erbsensorte mit dem viel versprechenden Namen "Ulmer Münster",
dass hier die Bezeichnung "Gartenzwergs Melkschemel" wohl eher
angebracht sei. Aus der gleichen Zeit stammte die Mega-Schnulze "Das
alte Försterhaus", die van Nelsen mit seinem Gedicht "Des Försters
Fluch" (in dem von einem sodomitisch veranlagten Jägersmann berichtet
wird) anreicherte, und damit die Wirkung des Liedchens noch erhöhte.
Eigene literarische Fähigkeiten bewies der Kabarettist überdies mit der
schwarzhumorigen Kriminalgeschichte "Pforzheimer
Erbsensuppe", in der eine frustrierte Ehefrau die Nikotinsucht und das
daraus entstandene Lungenemphysem ihres Gatten ausnutzt, ihn mit sieben
(!) Tellern dieses grünen Gerichts ins Jenseits zu befördern.
Jo van Nelsen, der den Besuchern unter anderem als
Conferencier des Frankfurter "Tiger-Palast" ein Begriff ist, verfügt
über eine große Bandbreite an Ausdrucksmöglichkeiten. So tremoliert er
die kitschigen Strophen des Marlitt-Poems, wird doppelbödig in der
Kriminalstory, charmant-unverbindlich beim Schlager- und pathetisch beim
Balladensingen. Sein Partner Thorsten Larbig, der den Abend am Klavier
begleitet, steht dem in nichts nach. Nach gut zweieinhalb Stunden
applaudierte sich das Publikum die Zugaben vom
"Kleinen grünen Kaktus" und eine Elvis-Presley-Parodie "Green, Green
Gras Of Home" herbei, ehe der Spaß mit einem letzten frivolen Chanson
der legendären Schwabinger Gisela über die moralischen Probleme, die aus
der außergewöhnlichen
Verwendung von
Salatgurken entstehen können, seinen Abschluss nahm. Das
Publikum des Abends würde
nach diesem Programm sicher auch dann wiederkommen, wenn van Nelsen und
Larbig Abende in Blau, Gelb oder Rot ankündigten.
Kreis-Anzeiger, 3.4.2006 (Ortenberg)
Neues Programm des Kulturkreises feiert erfolgreiche Premiere
Von Sabine Henrichs
Kronberg. Nur bei Grün – der Kinder wegen. Es ist die Farbe der
Hoffnung und des Frühlings und manchmal wird man auch ganz Grün vor Neid
oder hinter den Ohren. Immer wieder hat die Farbe grün Komponisten und
Texter zu den unterschiedlichen Werken angeregt. Jetzt grünte es auch in
der Zehntscheune. Die Farbe des Bistros wurde zum Programm eines neuen
Konzepts des Kronberger Kulturkreises, das nun eine erfolgreiche
Premiere feierte.
Für den verführerischen Spaziergang durch imaginäre Gärten, knospende
Gefühle und Frühlingslandschaften konnten die bekannten Künstler der
Kleinkunstszene, Jo van Nelsen und Thorsten Larbig, gewonnen werden.
Grün zeigte sich jedoch nicht nur ihr Programm «Vom Frühling und
Absinth». Auch das Drei-Gänge-Menü, das begleitend serviert wurde, hatte
sich mit Kressesuppe, grüner Tagliatelle mit Zucchini und Absinth-Mus
durchaus dem Motto des Abends angepasst.
Die Besucher der Veranstaltung genossen die herrlichen Ergüsse des
bekannten Chansoniers und Moderators Jo van Nelsen, der von Thorsten
Larbig auf dem Klavier begleitet wurde. Der Schwung und die
Spritzigkeit, den Larbig zu Beginn mit einem Potpourri vorlegte, zogen
sich durch den gesamten Abend, wobei die beiden Künstler die ganze
Bandbreite der Farbe Grün erörterten. Da konnte es durchaus passieren,
dass sich zwischen die Melodien zu «Mein kleiner grüner Kaktus» musische
Spuren von «Oh Tannenbaum» zur unpassenden Jahreszeit, nicht jedoch zum
Motto verirrten. Tief in der Literatur von Musik und Poesie hatten die
beiden Künstler gewühlt und dabei herzerweichende und sinnliche Texte,
aber auch Amüsantes bis hin zu sprachlichen Verirrungen hervorgeholt.
«Es grünt so grün», ließ nicht nur Professor Higgins seine «Fair Lady»
Eliza schmettern, auch in dem Schlager wird ausschließlich in einem
«Hotel zur grünen Wiese» gesungen.
Da viele Menschen mit Beginn des Frühlings vermehrt an einen
«Samen-Erguss» denken, blieben auch die Gartenfreunde an diesem Abend
nicht unbefriedigt. «Während das Samentütchen verdeutlicht, wie die
Pflanzen aussehen sollen, zeigt der Garten, was sich machen lässt»,
witzelte van Nelsen.
Mit einem erfrischenden, rasanten und amüsanten Abend feierte das neue
Konzept des Kulturkreises einen erfolgreichen Auftakt.
Kronberger Anzeiger,
20.04.2005
Brokdorf an Broccoli
Jo
van Nelsens neues Programm rührt in Kronberg alles zusammen, was
Frühlingsgrün ist
VON
DANIEL BARTETZKO
Panne! Gleich im ersten Chanson ist der Text weg, mittendrin. Jo van
Nelsen hält inne und lässt sich von seinem Begleiter Thorsten Larbig ein
Stichwort geben. Und steigt wieder ein mit einem Lachen. Wenn er sich
nicht selbst über seinen Patzer amüsiert hätte, wäre der als Teil des
Liedes durchgegangen.
Das Publikum in der Kronberger Zehntscheune ist jedenfalls von Anfang an
beglückt, es wird heute ja auch gut umsorgt. Da sind zum einen van
Nelsen und Larbig, die mit ihrem neuen Programm Grün! Premiere
feiern, zum anderen ein dreigängiges Menü grünfarbiger Köstlichkeiten,
das in den Pausen serviert wird.
"Lieder. Texte. Absurditäten" ist der Untertitel des Farbenabends, für
den sich die beiden als Schatzsucher betätigten und mancherlei Bizarres
ans Tageslicht förderten. Sicher, Allgemeingut wie Mein kleiner
grüner Kaktus oder Es grünt so grün kommen auch mal zu Gehör.
Aber nur Auszugsweise, verdaddelt, verspielt, als Zitat. Denn Dichtung
und Wahrheit halten noch viel Schöneres, weniger Bekanntes zum Thema
bereit. Bis zum ersten Menügang - Kerbelsuppe mit Flusskrebsen - rührt
van Nelsen mit Kitschgedichten aus der Gartenlaube oder einem
Essay aus der Zeitschrift Mein schöner Garten schier zu Tränen.
Im zweiten Teil geht es dann mehr ums Grünfutter: Das meiste, was der
Mensch an Gemüse zu sich nimmt, ist nun mal so gefärbt. Gurken zum
Beispiel. Auch nicht zu verachten ist die "Pforzheimer Erbsensuppe",
deren Verzehr bei richtiger (oder falscher - wie man will) Handhabung
tödliche Folgen haben kann. Vor ihr muss aber niemand Angst haben, als
Hauptgang gibt es grüne Tagliatelle mit Zucchinistreifen.
Hernach ist man stark genug, Pop und Politik zu verdauen. Da gibt es
schönes, ökologisch fundiertes Liedgut noch aus der Zeit von Den Grünen.
Etwa aus Brokdorf 1979, und wenn der Liedtext von Thorsten Larbig
wirklich unverändert übernommen wurde, wundert man sich schon, wie es
damals zum größten Polizeieinsatz der BRD gegen Atomkraftgegner kommen
konnte. Vielleicht, um ihnen das Singen zu verbieten. Nicht nur dort
wurde vom grünen Gras gesungen, auch Elvis dachte oft an The green,
green grass of home. Und ans Essen.
Van Nelsen vereint beides, und wem es gelingt, sich vor fliegenden
Gurkensalatbröckchen in Acht zu nehmen, erlebt den besten Elvis seit
dessen Ableben. Als Nachspeise zur Grünmalerei gibt es Absinthmousse mit
Minzblättern.
Grün, die Farbe der Hoffnung, der Natur und des Broccolis ist nun
wirklich in zahllosen guten wie schlechten künstlerischen Werken
behandelt worden. Genug Material für zwei Stunden ist schnell
zusammengestellt, dazu braucht es keine besondere Findergabe. Ihre
Auswahl aber haben Jo van Nelsen und Thorsten Larbig ganz vorzüglich,
überwiegend abseits von Klischees getroffen. Und die Umsetzung ist in
ihrer Sprunghaftigkeit bisweilen genial. Ob nun als Sänger, Entertainer,
Rezitator, Dichter, Schauspieler, Märchenonkel oder Koch: van Nelsen
trifft den richtigen Ton, kann scheinbar mühelos und sekundenschnell
zwischen den Rollen umherwechseln. Thorsten Larbig ist ihm dabei ein
kongenialer Partner, der diese Wechsel mitvollzieht, dabei an Klavier,
Wanderklampfe oder Küchentisch virtuos.
Frankfurter Rundschau vom 20.04.05
Kermit
an grüner Sauce
Jo van
Nelsen in der Stalburg
In
Grün will er sich kleiden, und seinen Pianisten hat er kurzerhand auch
in einen dieser giftgrünen Overalls genötigt: Der Frankfurter Sänger und
Musikkabarettist Jo van Nelsen ist zusammen mit Thorsten Larbig für sein
neues Programm "Grün! Ein Abend für eine Farbe" zwar nicht bis zu den
"grünen Tränenweiden" des Wilhelm Müller vorgedrungen - obwohl man
seinem Bariton durchaus auch ein paar Schubert-Lieder zutrauen würde.
Wer weiß, was daraus geworden wäre, denn auch die Müllerschen Texte
dürften ein gefundenes Fressen für den Kabarettisten sein, der sich
naturgemäß eher für die weniger gelungenen Werke der deutschen Lyrik
interessiert.
Platz dafür ist reichlich in Jo van Nelsens Programm, denn Grün ist,
wenn man so sagen darf, ein weites Feld. Dementsprechend brauchte es
auch allein vier Abende im Frankfurter Stalburg
Theater, um all jene zufriedenzustellen, die damit die "Premiere"
auf kuriose Weise vervielfacht haben. Die anderen müssen sich bis zum
nächsten Mal gedulden, um die zuweilen recht aberwitzigen Lied- und
Wortbeiträge zum Thema Grün genießen zu können, deren weiten Bogen
Thorsten Larbigs Klaviermedley zu Beginn schon schlägt - um dabei sein
Talent als Arrangeur und Pianist zu zeigen: Von "Grün, grün, grün sind
alle meine Kleider" über "O Tannenbaum" bis zum "kleinen grünen Kaktus"
ist alles dabei. Dieser, angeblich Larbigs Lieblingslied, taucht am Ende
wieder auf, eine von van Nelsen mutwillig zertrümmerte Worthülse, als
sei sie übriggeblieben beim Palen all der großen und kleinen
Zuckererbsen, die er bei seinem Streifzug durch das Grüne so
hervorzaubert. Sie sind mal satirisch, mal klamaukig, begleitet von
handfester Erotik jederlei Ausrichtung, wobei auch die Tierwelt des
Waldes in Form von Spechten und Rehlein nicht zu kurz kommt. Nach Pop,
Jazz und Musical in den vorigen Programmen kehren van Nelsen und Larbig
zu Schlagern und Chansons zurück, darunter viel Historisches, aber auch
frisch Geschriebenes - wie eine herzallerliebste Hommage an die
Frankfurter Leibspeise "Grie Soß'": Wer hätte gedacht, daß van Nelsen so
herrlich hessisch babbeln kann?
Naturgemäß muß manchmal ein bißchen an den Haaren gezogen werden, um das
Hellgrüne mit dem Dunkelgrünen, die Salatgurke mit der Atompolitik und
dem Fanlied von Werder Bremen, "Lebenslang grünweiß" zusammenzubringen.
Doch ebenso charmant und fest wie Kermit den Frosch bei seiner
Übersetzung des Kermit-Songs "Bein' Green" hat van Nelsen das Publikum
im Griff - es wandert bereitwillig auch über schmale Grate mit. So
tröstet er mit satirisch gespitzten Lippen den enttäuschten Bremen-Fan
Larbig mit einem der pathostriefenden Gedichte der von ihm "geschätzten"
Eugenie Marlitt, um von dort aus zu der Ballade "Four Green Fields" zu
kommen: Binnen Sekunden weicht die aufgekratzte Stimmung stiller
Nachdenklichkeit, um gleich darauf bei einer Ganghofer-Erzählung zu
landen.
Überhaupt gibt es diesmal viel Text zwischen den Musiknummern. Dafür hat
van Nelsen nicht nur mit sicherem Instinkt allerlei Merkwürdiges,
sondern auch wirkliche Perlen, wie etwa Eugen Skasa-Weiß' Feuilleton
"Münchhausen spielt mit Samentüten", ausgegraben. Und er zeigt eine neue
Facette seines Talents - auch wenn er behauptet, ein Gedicht wie den
"Ost-West-Konflikt" der Ampelmännchen nur verfaßt zu haben, weil nichts
Passendes in der Literatur zu finden war. Seine ziemlich bösartigen
kleinen Geschichten jedenfalls, etwa jene über eine mörderische
"Pforzheimer Erbsensuppe", machen sich recht gut in diesem erheiternden
grünen Allerlei.
EVA-MARIA MAGEL, FAZ,
01.06.05