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ANTON LE GOFF
„HEUTE SCHON GESUCHT?
– Popkabarett aus der Beziehungshölle“
mit Maja Wolff als Anton le Goff
An den Keyboards: Felix Mantel
Musik: Wolf Mayer
Text: Bert Bresgen
REGIE: JO VAN NELSEN
Premiere: 27.09.2002, Gallus Theater, Frankfurt am Main
In Antons Leben hat sich viel verändert: Er ist wieder Single, seine Freundin Claudia hat ihn für ihre Physiotherapeutin verlassen. Anton begibt sich auf die Suche - nach einer neuen Beziehung und natürlich nach sich selbst. Dabei begegnet er Dingen, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat und denen wir in ihrer komischen Absurdität trotzdem vielleicht irgendwann schon einmal begegnet sind: Ob beim Wellness-Wochenende in Hoyenroda, wo Männer ihre Männlichkeit im Rasul-Schammbad wieder entdecken können oder im Park mit einem von einer Hundeflüsterin speziell auf Kontaktaufnahme mit weiblichen Hundebesitzerinnen trainierten Dackel – Anton geht sein neues Leben in der freien Beziehungswildbahn gezielt an. Und doch – vielleicht kann er seine Ex-Freundin doch noch zurückerobern? Durch eine Paartherapie oder heroischen Einsatz in der Fremdenlegion? Oder durch ein gemeinsames Kind mit Hilfe von Invitrofertilisation? Kurz: Der Kampf und Krampf der normalen heterosexuellen Paarbeziehung in Text und Musik stehen auch diesmal wieder im Mittelpunkt und machen auch diesen Anton-le-Goff-Abend wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle diejenigen, die noch immer nicht wissen, wie man als Single durch die gefürchtete Samstag Nacht kommt!
„Heute schon gesucht?“ ist das vierte Stück der unendlichen Le-Goff-Biographie, aber gleichzeitig etwas völlig Neues. Anton hat die Neigung zu lebensphilosophischen Selbstgesprächen behalten, doch der Witz ist schneller und ironischer geworden. Sein Partner Felix Mantel hat das zaghafte Klavier gegen zwei soundmächtige Keyboards eingetauscht. Die Songs wurden fast ausschließlich für das neue Stück geschrieben und von Wolf Mayer kongenial vertont. Autor Bert Bresgen hat bereits mit dem äußerst erfolgreichen Weihnachtsspecial „Weihnachtsgäste sterben einsam“ den neuen Anton-Stil eingeläutet.
Biographien
Bert Bresgen (geboren 1960 in Köln) gilt als Erfinder einer neuen Kabarettform, die er „absurd-romantisch“ nennt.
Sein Vater war Steward auf dem Schulschiff „Deutschland“, seine Mutter war der erste weibliche technische Zeichner in Knappsack. Folgerichtig eröffneten die Eltern später ein Restaurant. Wie alle vernünftigen Menschen stieg Bert Bresgen nicht in den elterlichen Betrieb ein, sondern verfasste Hörspiele („Die Spur der Steine“, „Ferdinand Sauerbruchs Wiederauferstehung“, beide SWR), Drehbücher (z.B. zusammen mit Ingrid Marschang „Ein Bodyguard in Hammereisenstadt“ für die Neue Deutsche Filmgesellschaft) und Kabarettprogramme (für Peter Vollmer, Maja Wolf alias Anton Le Goff, Jo van Nelsen). Zur Zeit arbeitet Bert Bresgen an einem erotisch-surrealistischen Fotoroman zusammen mit der Fotografin Henrieke Strecker, einem negativen Lebensbrevier mit dem ansprechenden Titel „Vergiss die Freude“ (zu Fotos von Annette Frick), sowie einem neuen Stück und einem Roman über Anton Le Goff. Nebenbei hat er als Mitglied des Siegener Graduiertenkollegs sprachkritische Studien veröffentlicht und gibt Seminare über Erkenntnistheorie am Fachbereich Pflege der FH Frankfurt. Im Kellertheater, Frankfurt/M., steht er auch selbst gelegentlich auf der Bühne.
Grüße aus der Beziehungshölle
Wieder Single: Das neue Programm von Anton Le Goff
Von EVA-MARIA MAGEL
Samstagabend. Judgement Day. Von wegen „Saturday Night Fever“. Nichts ist grausamer für den modernen Single als der Samstagabend. Hat man es geschafft, eine Verabredung zu treffen? Oder muß man, bei heruntergelassenen Rolläden, die Familiensamstagsabend-Show im Fernsehen ansehen, einsam, verbittert, als Verlierer im großen Spiel der Partnersuche?
Anton Le Goff, die neue Männlichkeit aus Frankfurt, ist wieder da. Und zwar alleine. Seine Freundin Claudia, eingefleischten Le-Goff-Fans aus den vorigen Programmen bekannt, hat ihn verlassen. Sie lebt jetzt mit ihrer Physiotherapeutin Brigitte eine erfüllte Beziehung, während Anton überlegt, zur Fremdenlegion zu gehen, sich zwecks Kontaktaufnahme im Grüneburgpark einen Hund zulegen will und sich vor kaum etwas mehr fürchtet als davor, am Samstagabend ohne Date dazustehen.
„Heute schon gesucht?“ heißt das neue Programm für Anton Le Goff, die Kabarett-Kunstfigur der Schauspielerin Maja Wolff, das nun im Frankfurter Gallus Theater Premiere hatte. Zusammen mit Felix Mantel an den Keyboards und zuweilen als Duettpartner rauscht Anton zwei Stunden durch die Beziehungshölle. Oh, er kennt sie alle, die Verzweiflungstaten einsamer Herzen. Sogar ein „verlängertes Adonis-Wochenende“ in einem thüringischen Wellness-Hotel hat er ausprobiert, um mit der dort der Lymphdrainage frönenden Weiblichkeit in Kontakt zu kommen. Alles vergebens.
Anton Le Goff windet sich durch sein von kleineren und größeren Katastrophen druchsetztes Leben. Was er dabei beobachtet und erfährt, breitet er genüsslich vor einem Publikum aus, das Gelegenheit hat, Fragmente aus dem eigenen Leben wiederzuerkennen. Dazwischen singt Anton neue Balladen über zerbrochene Lieben, alte Elvis-Nummern und parodiert mit einem gar nicht frommen Text die gregorianischen Mönchsgesänge. Nicht erstaunlich, dass der Abt den Hörer auflegt, als Anton um Aufnahme als Novize bittet.
Texter Bert Bresgen und Komponist Wolf Mayer haben Anton eine Revue auf den Leib geschrieben, die vom großen Gefühl bis zum fiesen kleinen Witz reicht. Zwar beginnt der von Jo van Nelsen inszenierte Abend ein wenig schleppend. Doch vor allem im zweiten Teil des Programms gelingt es Maja Wolff, ihre Figur leichtfüßig zwischen wortreicher Komik und beinahe sprachlosem Ernst hin- und herhüpfen zu lassen. Hinter den hinreißend komischen Episoden verbirgt sich eine große Verletzlichkeit. Und wenn Anton von seinem Vater erzählt oder das Lied von den einsamen Tagen in Bockenheim singt, wird es zwischen all den lustigen Geschichten sogar herzzerreißend traurig. Fast wie im richtigen Leben.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 01.10.2002
Vom Stress Single zu sein: Der Kabarettist Anton Le Goff feierte mit neuem Programm Premiere im Frankfurter Gallus-Theater.
Von Olaf Kern
Menschheits-Grübler beschäftigen sich seit Jahrhunderten, vielleicht schon länger mit dieser Frage: Ist das Leben so, wie wir uns es vorgestellt haben?
Der moderne Single-Mensch fügt hinzu: "Ist denn die Liebe so, wie wir uns das mit der Liebe vorgestellt haben?"
Tusch. Der Verstärker spuckt Richard Claydermann aus. Jeder kennt diese Schnulze. Aber: Soll man jetzt lachen oder weinen? Die meisten lachen. Der auf der Bühne steht und mit allen Mitteln versucht, das Publikum emotional aufzuwühlen, ist Anton Le Goff. Da kann man nur lachen, kichern, schmunzeln oder seine Schenkel klopfen.
Zur Zeit tingelt "Frankfurts schönster Mann", weil doch so weiblich, wieder mit neuem Programm über die Szene-Bühnen. Einfallsreich, spitzfindig, keifend wie immer.
Als Kabarettist, Chansonnier oder Lebensberater für unlösbare Fälle ab Vierzig und ist dabei selbst ein unlösbarer Fall. Das Schicksal hat ihn ganz schön getroffen. Freundin Claudia ist über Nacht lesbisch geworden, und Mann beginnt an sich zu zweifeln. Die Schimpfe kriegen alle ab, die sich in einer glücklichen Beziehung wähnen, darunter auch anwesende Paare: "Nichts ist für immer."
Auf der Suche nach einem Rendezvous entführt Le Goff die Zuschauer in Museen, Wellness-Hotels und an den Rand des Vorstellbaren. Was wäre wohl aus Heinrich VIII. geworden, wenn es zu seiner Zeit schon In-vitro-Fertilisation gegeben hätte? Bei viel Heiterkeit kommen zwar auch die nachdenklichen Momente nicht zu kurz, dennoch entlässt Anton Le Goff sein Publikum nicht mit neuen Erkenntnissen zur chronischen Einsamkeit. Es darf weiter gegrübelt werden.
Frankfurter Neue Presse 01.10.2002
Ein dreifaches U
Anton Le Goff mit seiner neuen Revue "Heute schon gesucht ?" im Gallus Theater
Von Gitta Düperthal
Er ist so maskulin. Er hat das gewisse Etwas, das ein Mann braucht, um Frauen zu bezaubern. Er sprüht vor Witz, Temperament und Selbstironie. Er breitet das männliche Seelenleben in aller Offenheit aus. Er beherrscht den Hüftschwung wie Elvis, und singen kann er auch. Aber Anton Le Goff ist kein Mann. Die Frankfurter Schauspielerin Maja Wolff gibt wieder einmal lustvoll den Macho. Schon bevor die Show "Heute schon gesucht ?" auf der Bühne des Gallus Theaters beginnt, hört das Publikum aus dem Off von den Sorgen, die das männliche Ego plagt: Stimmt das Outfit? Ist der Anzug sauber?
Dann gibt es kein Halten mehr. Der Anzug ist okay. Anton Le Goff betritt die Bühne und stellt drei essentielle Fragen: Wann, wie und wo lerne ich jemanden kennen? Wann, wie und wo vergesse ich ihn wieder? Und was soll das alles? Le Goff beantwortet diese Fragen erwartungsgemäß erfrischend destruktiv. Dann werden die Zuschauer getestet: Ob sie in festen Händen und glücklich seien? Es schnellen nur wenige Hände in die Höhe - offensichtlich aus Höflichkeit dem anwesenden Partner gegenüber, wie Le Goff vermutet. Er konstatiert also, dass es sich bei den glücklich Gebundenen um eine gesellschaftliche Minderheit handeln muss. Für den Rest gelte also, was auch für ihn, Le Goff, zutreffe: "Ein dreifaches U". Das Publikum stimmt freudig ein. Mit Hüftschwung vorgetragen hören sich diese Us wunderbar rhythmisch an. Aber natürlich stehen sie für die Bedeutung: "Unglücklich, unzufrieden, unbefriedigt".
Im Anschluss erfahren wir, was man über das Leben nach der Trennung wissen muss. Dass Busfahrer mitfühlend werden, dass ein Mann logischerweise niemals verstehen wird, warum er von seiner Frau verlassen wurde, und dass Felix Mantel, der Le Goff an den Keyboards begleitet, ebenfalls den Hüftschwung beherrscht. Standing Ovations für den Komponisten Wolf Meyer, Autor Bert Bresgen, und Regisseur Jo van Nelsen.
Frankfurter Rundschau, 30.09.02
Weitere Infos unter www.anton-le-goff.de