CD „Robert T. Odeman: Die Zeit vergeht
Sampler mit historischen Aufnahmen schwuler Künstler und Autoren häufen
sich in letzter Zeit. Doch das erste Label, das diesen Stein ins Rollen
gebracht hat, der verdiente Verlag „duo-phon-records“ in Berlin, setzt
jetzt noch eins drauf. Mit der Veröffentlichung der CD „Die Zeit
vergeht“ setzt sie dem schon fast vergessenen schwulen Humoristen Robert
T.Odeman zu seinem hundertsten Geburtstag ein längst überfälliges
Denkmal mit wirklich seltenen Aufnahmen aus den Jahren 1934-1978. Große
Diseusen wie Margo Lion, Dora Dorette und Blandine Ebinger singen
Odemanns Texte mit der nötigen Verspieltheit und Leichtigkeit, die
seinen eleganten Stil kennzeichnen.
Dabei war Odemans Leben weiß Gott nicht immer lustig: In armen
Verhältnissen in Hamburg-St.Georg geboren, schafft Odeman sich in den
20er Jahren als Konzertpianist in ganz Europa einen Namen. Ein
Sehnenleiden beendet jedoch diese hoffnungsvolle Karriere, sein
langjähriger Lebenspartner stirbt kurz darauf bei einem Unfall. Odeman
verlegt sich aufs Komponieren, schreibt Bühnenmusiken und Chansons, die
er auch selbst vorträgt. Als er noch 1936 im gleichgeschalteten
Nazi-Deutschland ein Spottgedicht auf Adolf Hitler vorträgt, bestraft
man ihn mit Auftrittsverbot. Ein Jahr darauf wird er schließlich nach
dem berüchtigten Schwulen-Paragraphen 175 verurteilt und für drei Jahre
ins Gefängnis gesperrt. Später malträtiert man ihn sogar als
„Rosa-Winkel-Häftling“ im KZ Sachsenhausen. Doch bereits im Januar 1946
mischt er wieder in der aufblühenden Berliner Kabarettszene mit und
veröffentlicht ungebrochen seine amüsante Alltagslyrik in mehreren
Büchern, die ihn – neben Heinz Erhardt - zu einem der beliebtesten
Humoristen der 50er Jahre machen. Endlich auch kann Odeman weitgehend
unbehelligt ein erfüllendes schwules Privatleben führen, seit 1959 ist
er mit seinem Lebensgefährten, dem Schauspieler Günther Nöring,
verbunden, der auch maßgeblich an der Zusammenstellung der jetzt
vorliegenden CD beteiligt war. Am 15.Januar 1985 stirbt Robert T.Odeman
in Berlin.