Gerd Brederlow (und Heike Neumann): Bobby, Herr Bredi und Mister Herr Bendel. Die Geschichte meines Bruders

 

Im Januar dieses Jahres hatte bei Boulevard Bio ein merkwürdiges Paar seinen Auftritt: Der schwule Designer Gerd Brederlow und sein mit dem Down-Syndrom geborener Bruder Rolf, der sich seit seinem ersten Filmerfolg nach der gespielten Figur „Bobby“ nennt. Mit dem Satz „Bobby ist supertraurig“, einen Riesenteddy unter dem Arm, spielte der damals Ende Dreißigjährige die Stars der Serie „Liebe und weitere Katastrophen“ glatt an die Wand und sich in die Herzen der Zuschauer. Seitdem ist Bobby Brederlow ein vielbeschäftigter Darsteller, der durch seine Unmittelbarkeit immer wieder besticht – auch Kollegen wie Veronica Ferres: „Ich habe unheimlich viel von ihm gelernt, das ganze Team hat wieder Zugang zu seinen Gefühlen bekommen“. Dass der Traum eines Behinderten, sein Leben jenseits der staatlich zugewiesenen Beschäftigungstherapie auszuloten, durchaus in Erfüllung gehen kann, hängt stark von dem Willen und der Fantasie der ihn umgebenden Menschen ab. Das macht das Buch „Bobby, Herr Bredi und Mister Herr Bendel“ auf spannende, anrührende und auch sehr witzige Weise deutlich – denn als Gerd Brederlow und sein schwuler Freund Udo Bandel sich entschliessen, ihr Münchener Szene-Leben aufzugeben und eine Männer-Familie mit Bobby zu gründen, ist dies mit vielen ungeahnten Problemen verbunden, aber auch mit vielen gegenseitigen Bereicherungen. Ein aufbauendes Buch, das Mut macht zum Anderssein – nicht nur den vielen behinderten Bobby-Fans, für die er eine unglaubliche Bedeutung und Vorbild-Funktion hat, die in dieser Gesellschaft scheinbar bitter nötig war.

 

Gerd Brederlow (und Heike Neumann): Bobby, Herr Bredi und Mister Herr Bendel. Die Geschichte meines Bruders. 210 Seiten mit Abbildungen. Geb., € 17,90. ISBN 3-492-04475-1

 

© Jo van Nelsen