Zum 100.Geburtstag von Balz: Der bei duo-phon erschienenen „Davon geht die Welt nicht unter“
An den Namen Bruno Balz werden sich die wenigsten erinnern. An die von ihm kreierten Liedtitel „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, „Davon geht die Welt nicht unter“ und „Ich weiss es wird einmal ein Wunder geschehen“ dafür um so mehr. Die Texte zu den beiden letztgenannten Liedern schrieb Balz für die Schwulen-Ikone Zarah Leander, die ihn zu ihrem „Haus-und-Hoftexter“ erkoren hatte – ein Umstand, der ihn 1942 vor dem KZ bewahren sollte...
Schon früh macht der am 6.10.1902 in einfachen Verhältnissen geborene Bruno Balz in schwulen Kreisen als Aktmodell und Textlieferant für schwule Zeitschriften auf sich aufmerksam. Sein Schlager „Bubi, lass uns Freunde sein“ wird hier ein Hit. Und bald entdeckt der junge Tonfilm den vielversprechenden Mann. Zu über 200 Filmen soll Balz in den nächsten Jahrzehnten Liedtexte beisteuern, oft im Erfolgsgespann mit dem Komponisten Michael Jary. Dass seine romantisch-optimistischen Reime von den Nazis als Propagandamittel missbraucht werden, bringt dem als „175er“ bekannten und so immer wieder eingeschüchterten Balz nach 1945 (besonders durch die oben erwähnten Lieder) viel Ärger ein. Nur durch ein – auch in der Adenauerzeit noch gefährliches – öffentliches Coming Out kann er sich vom Vorwurf des „Nazischreibers“ frei machen. Das Publikum hat seine Lieder ohnehin oft mehr als Versprechen auf eine bessere, freiere Zukunft verstanden („Kann denn Liebe Sünde sein?“).
2 CDs erinnern nun an den 100.Geburtstag von Balz: Der bei duo-phon erschienenen („Davon geht die Welt nicht unter“, Best.Nr.05333) ist hier der Vorrang zu geben, stellt sie doch in einer Mischung aus Studio- und Filmtonaufnahmen vor allem unbekanntere Titel vor. So manches Schmankerl ist hier zu entdecken (so z.B. eine der wenigen Aufnahmen des von den Nazis hingerichteten Schauspielers Robert Dorsay). Die bei Monopol erschienene Doppel-CD „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ (M5268/1-2) richtet sich da mehr an das Zielpublikum „Altersheim“. Balz-Schützling und Erbe Jürgen Draeger versammelt hier die hinlänglich bekannten grössten Erfolge von Vico Torriani, Zarah Leander, Heintje und zurück und verschandelt das booklet mit ausgesprochen scheusslichen Zeichnungen der Künstler von eigener Hand.
© Jo van Nelsen