"Brumm Brumm"

 

 

Premiere: 02.09.2008 Aufführungsort: Stalburg Theater, Frankfurt/M.

 

 

 

Kritiken

 

 

 

 

Titel: "Brumm Brumm“

Autor: Michael Herl

Premiere: 02.09.2008

Aufführungsort: Stalburg Theater, Frankfurt/M.

Darsteller: Heinz Harth, Ilja Kamphues, Nenad Smigoc

Ausstattung: Herbert Huber

 

 

Inhalt:

Eine Amtsstube. Zwei Männer sind gekommen, weil man ihnen das genommen hat, was sie zum Mann macht: den Führerschein. Und einer ist da, weil es sein Beruf ist, zu prüfen, ob solche Männer ihren Führerschein wieder erhalten sollten. Die MPU, die Medizinisch-Psychologische Untersuchung.
Eigentlich alles ganz einfach aber natürlich doch nicht. Es wäre kein Herl-Stück, wenn die ganze Sache nicht langsam, aber konsequent aus dem Ruder liefe und am Schluss alles ganz anders kommt, als man es sich in seinen kühnsten Vorstellungen ausmalen könnte...


Kritiken:

 „Der Autor nennt sein Drei-Mann-Stück (Regie: Jo van Nelsen) ein Lustspiel, und just das ist es: ein Lustspiel possenhaftester Art. Worum geht es? Kurz und simpel: um den berüchtigten «Idiotentest». Prüfer vom Amt für die armen Schweine ohne Führerschein ist kein Arzt oder Seelenklempner, sondern der realsatirische Beamte Müller (Heinz Harth). Der kuscht zwar an der Strippe vor der Mama und trinkt gern mal nach allen herrschenden Ritualen ein Dutzend «Kümmerling» über den Durst. Frei nach Brechts «Puntila» offenbart er aber auch menschliche Züge unterm Panzer. (…) «Brumm Brumm» ist rasant und spaßig. (…) Wer die Entropie der deutschen Amtsstube ins bullernde Chaos eines Dreier-Twosteps mit Rumpelstilzchen mag, wird «Brumm Brumm» lieben.“

 Frankfurter Neue Presse, 04.09.2008

 

„"Brumm Brumm", die neue Hervorbringung von Stalburg-Commandante Michael Herl, handelt erfreulicherweise nur ganz am Rande von Autos. Herl bleibt bei seinem liebsten Thema: dem Mann. Ilja Kamphues spielt erneut den schon aus "Wer kocht, schießt nicht" bekannten Dr. Theodor Kögel. Endlos wartend, macht der verklemmte Intellektuelle die Bekanntschaft eines perfekt "Kanaksprak" (Feridun Zaimoglu) sprechenden Migranten namens Herr Funz - eine Wiederbegegnung mit dem unter anderem aus dem Herl-Stück "Gatte gegrillt" bekannten Nenad Smigoc. Zwischen Bildung und Bildzeitung, Wessi und Ossi mit Balkanwurzeln, Hirn und Bizeps tut sich eine tiefe Kluft auf. Gemeinsam ist den beiden das Ansinnen, den alkoholbedingt verlorenen Führerschein wiederzuerlangen. Ausgerechnet der hesselnde Prüfer Müller in Gestalt von Heinz Harth aber treibt die feuchte Fröhlichkeit - gepaart mit dem Sadismus des kleinen Lichts - auf die Spitze. "Brumm Brumm" ist ein versöhnliches Stück, verfasst und inszeniert im Geist des Volkstheaters. Schale Witze und Kalauer, über die Müller selbst am herzhaftesten lacht, werden mit Klischees gemischt. Diesen Humor muss man nicht teilen. Trotzdem ist der Abend kurzweilig. Denn das unter der souveränen Regiehand Jo van Nelsens agierende Trio ist mit einnehmender Emphase am Werk. Die Sache hat Charme. Der ist sowieso Grundlage des Erfolgs dieses Theaters.“

Frankfurter Rundschau, 04.09.2008

 

„10 Jahre spielt das Stalburg Theater schon mit Riesenerfolg. Auch das neue Stück von Michi Herl, da muss man kein Prophet sein, wird wieder ein Renner. (…) Heinz Harth spielt den Beamten als fiesen Sadisten, der nur vor der eigenen Mutter in die Knie geht. Die Opfer: Nenad Smigoc als Proll aus dem Osten, mehr in der Hose als im Hirn. Ilja Kamphues als feinsinnig versponnener Koch mit erstaunlicher Fingerfertigkeit. Makaber, putzig, unterhaltsam. Von Jo van Nelsen flott inszeniert. Wertung: SEHR GUT.

BILD Zeitung, 05.09.2008

 

„(…) Und schon nimmt die Komödie ihren Lauf, und bald lässt sich nicht mehr entscheiden, wer hier Trottel, wer Filou und arme Wurst und wer der eigentliche Säufer ist. Puh, mag man da am Anfang denken, selten so gelacht. Doch was zunächst beginnt wie ein grottenschlechter Witz in "Brumm Brumm", dem neuen Stück von Michael Herl, das jetzt im Frankfurter Stalburg Theater Premiere hatte, mag man zwar durchaus ein Lustspiel nennen. Herl wäre nicht Herl und die Stalburg nicht die Bühne, die sie nun einmal ist, liefe die Geschichte unter der Regie von Jo van Nelsen nicht langsam, aber unaufhaltsam aus dem heftig hin und her kalauernden Ruder. (…)
Doch am Ende leistet Herls Komödie mehr. Denn tatsächlich unterstreicht "Brumm Brumm" bei genauerer Betrachtung nur die behutsam eingeleitete Entwicklung von Herls mittlerweile zehn Jahre alter Bühne weg von der Konzentration auf die Kleinkunst hin zu etwas, was man das Neue Frankfurter Volkstheater nennen möchte.
Eine Bühne also, wo sich die Hesselbachs und die Eleven der Neuen Frankfurter Schule im Idealfall auf Augenhöhe begegnen. Und beider Publikum am Ende, wenn es gutgeht, gemeinsam herzhaft lacht. Denn naturgemäß sind zwar die Charaktere, sind der Proll, der Dieter Bohlen doch tatsächlich für einen deutschen Komponisten hält, sind der "Dekolletéweggucker" und Streiter für die gute Küche aus dem Sauerland sowie der eifrig Chlodwig Poth und Gernhardt zitierende Prüfer Müller zunächst ebenso klar wie holzschnittartig gezeichnet. Und auch das Niveau der Pointen ist mitunter schwankend. Doch wie Nenad Smigoc als Funz, Ilja Kamphues als Theodor Kögel und Heinz Harth als den "Last Exit Landratsamt" mit Flachmännern pflasternder Beamter ("Keiner verlässt das Lokal!") ganz allmählich und Kümmerling für Kümmerling so etwas wie eine gemeinsame Basis, eine Schnittmenge ihrer scheinbar so gänzlich verschiedenen Welten finden, das ist nicht nur unterhaltsam, immer wieder komisch und bisweilen durchaus abgedreht. Das ist vor allem typisch Herl. Und "Brumm Brumm" folglich ein Lustspiel, das sich seinem Anspruch am Ende doch gewachsen zeigt. In einer Komödie jedenfalls haben wir schon länger nicht mehr so gelacht.“

F.A.Z., 05.09.2008