„Bea Arthur on Broadway: Just Between Friends“¸ DRG Records 12993

 

Eigentlich sei sie eine ganz Schüchterne, offenbart Bea Arthur. Doch bei einer Körpergrösse von 1,77 m und einem Damenbass, der noch Zarah Leander neidisch machen würde (und das bereits mit 12 Jahren!), hätte man das ihr nie so recht glauben wollen. Und so galt der heute so beliebte amerikanische Fernsehstar bald als die Verkörperung der toughen, witzigen Frau, die nichts so schnell umwirft. Auch nicht ihre „Golden Girls“-Fernsehmutter Sophia Petrillo, die sie in der Rolle der Dorothy nur durch den leise geraunten Altersheimnamen „Shady Pines“ regelmässig in ihre Schranken verweist.

Diese und andere Episoden aus ihrem bewegten Leben erzählt Beatrice Arthur auf ihrer ersten CD „Bea Arthur on Broadway: Just Between Friends“. Die mittlerweile 79jährige tourt mit dieser One-Woman-Show bereits seit 2 Jahren durch die USA, Australien und Kanada, überall mit hymnischen Kritiken bedacht. Am Klavier von Broadway-Legende Billy Goldenberg begleitet, präsentiert die Arthur die hohe Kunst des musical entertainments: hier ein hübscher Song, dort eine kleine Anekdote über Kolleginnen mit Hygiene-Problemen. Und auch mancher Nachruf der alten Dame gerät zur pointierten Abrechnung („ Poor Jeromy Robbins – o what a genius! – But he wasn´t really a nice person – Infact, he was a dreadful human being!!“). Und man verzeiht ihr: Denn niemand kann wie Beatrice Arthur so charmant Grenzen überschreiten und hat den dazugehörenden Mut auch schon des öfteren in der Vergangenheit bewiesen: So wurde etwa ihre sehr erfolgreiche Personality-Soap „Maud“ 1978 abgesetzt, weil sie sich in der Titelrolle zu einer Abtreibung entschlossen hatte – ein heisses, bis dahin noch nie angefasstes Eisen in der amerikanischen TV-Welt! Auch ihr Engagement für die Homosexuellen- und die AIDS-Bewegung ist bekannt: Grund genug für Bea Arthur, mehrere ausgesprochen komische Schwulenwitze in ihrer Show zu erzählen! Ihre tiefe, zupackende Stimme, die wie ein guter alter Wein gereift ist, gibt aber nicht nur Witzen den gewissen zweideutigen touch, sondern lässt auch selbst abgenudelte Lieder wie das der Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper (in deren Broadway-Premiere sie spielte!) zum Erlebnis werden und überzieht Musicalsongs wie „Some People“ und „Fun to be Fooled“ mit einem goldenen Glanz. Unbedingt anhören!!!

 

„Bea Arthur on Broadway: Just Between Friends“¸ DRG Records 12993, Vertrieb über KOCH International.

 

© jo van nelsen